zurück

Es ist kurz vor dem Jahreswechsel zu 2020. Ich mache jetzt den dritten Versuch, meine  persönliche Internetseite anzulegen. Ich bin seit August 75 Jahre alt, habe meine selbstständige Tätigkeit zu Ende September 2019 beendet und Bob's Music abgemeldet. Nach 32 Jahren schien es mir an der Zeit, privat zu werden.

Ich kam am 23.8.1944 in Hamburg zur Welt. Meine Mutter, Raimonda Hertwig, (6.7.1922-3.10.1966), mein Vater Robert Baudrier, ein kriegsgefangener Zwangsarbeiter, Franzose, Alter unbekannt, vermutlich in etwa so alt wie meine Mutter. Aufgewachsen bin ich bei meiner Großmutter Agnes Hertwig, Jahrgang 1894 (gestorben 1974).

Wir wurden 1944 ausgebombt und zogen ins Wochenendhaus im Hamburg-Niendorfer Ohemoor, Wikingerweg 81, ein paar Jahre später umbenannt in Ohmoor 81. Dort wohnten meine Oma, meine Mutter und ich. 1946 ließ meine Oma ein kleines Haus aus Trümmersteinen bauen, bezahlt mit Marzipan und ein paar Goldmünzen. Es hatte Küche, Wohn- und Schlafzimmer auf 32 Quadratmetern. Dann war da um 1947 noch Lydia Voigas aus Reval, Estland und ab 1948 Albert Hertwig, der 1919 geborene Bruder meiner Mutter, der aus der russischen Gefangenschaft entlassen worden war. Er starb 1987. Lydia und Albert wohnten zunächst in dem Schreberhäuschen bis sie im Braamkamp eine Wohnung bekamen. Unter dem Spitzdach gab es einen Boden, den man über eine Leiter erreichte. Oma Agnes hatte eine Arbeit in der HaMaFa (Hamburger Marzipan Fabrik) in der Christian-Förster-Straße. Meine Mutter fand Arbeit beim Engländer und reinigte die Zimmer der in Harvestehude wohnenden Soldaten. Wegen der unklaren und von meiner Mutter nicht offengelegten Vaterschaft stand ich von Anfang an unter Beobachtung des Jugendamtes, was bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr anhielt. Ich kam schon als Baby in die Kinderkrippe des Berenberg-Gossler-Hauses am Niendorfer Kirchenweg. Als Kleinkind kam ich in die Gruppen der größeren Kinder bis ich zehn Jahre alt wurde. Meine Mutter heiratete Wolfgang Ullrich, wohl auch um den Namen Hertwig loszuwerden. Anschließend war ich noch in einer privaten Kinderbewahrung im Grotkoppelweg, wo es mir nicht gut gefiel. Ich wurde dann ein Schlüsselkind. In der Erikastraße, die alsbald nach dem Krieg in König-Heinrich-Weg umbenannt wurde hatten die Bohnsacks ein Haus gebaut. Dort hielt ich mich oft auf, spielte mit Christa und fuhr mit ihrem Vater Erich in dessen  Motorradbeiwagen bis an die Ostsee. Mit fünf lernte ich Uhlemann kennen. Er kam mit Mutter und Bruder Thomas aus dem Schwarzwald. Die Mutter hatte sich von ihrem Mann getrennt und wollte zurück in den Norden. Aus Uhlemann wurde mit den Jahren Ullrich Kammigan - wir nannten ihn "Kämmi". Ich bin immer noch mit ihm befreundet. Meine Mutter ließ sich scheiden, behielt aber den Nachnamen. Sie ging nach Schweden, um dort zu arbeiten und anschließend nach England, erst nach Chelmsford und dann nach Hackney, Ostlondon. Dort besuchten meine Oma und ich sie ein paarmal. Mit der Eisenbahn nach Hoek van Holland, mit der Fähre nach Harwich und dann nach Chelmsford bzw. London. Sie verstarb im Oktober 1966 im Alter von 44 Jahren. - Mit sechs wurde ich in der Grundschule Niendorf Markt eingeschult, mit acht wurde ich in der Niendorfer Kirche am Markt getauft, mit 13 kam ich in die Mittelschule am Bindfeldweg, mit 15 wurde ich konfirmiert und mit 16 verließ ich die Schule mit der Mittleren Reife. In diesem letzten Schuljahr begann ich, Laute (später Gitarre) und Posaune zu lernen. In dieser Zeit legte sich bei mir ein Interesse fürs Musikmachen an. Ich spielte in der Skiffle Group von Joachim Ließ mit und konnte ganz gut singen.

Im April 1961 kam ich in die Lehre bei C.B.Franz Jessen, einer kleinen Exportfirma im Klopstockhaus in der oberen Poststraße, etwas später in der Barmbeker Wagnerstraße. Die Lehre dauerte drei Jahre, die Berufsschule befand sich am Lämmermarkt. Als die Lehrzeit herum war, musste ich mir eine andere Arbeitsstelle suchen und heuerte bei Plath und Sack in der Spitalerstraße an. Auch eine kleine Exportfirma. Ich wurde gemustert und bekam einen Einberufungsbescheid zum 1.1.1965. Kurz vorher lernte ich Charlotte Grams bei C.B.Franz Jessen kennen. Eine sehr sympathische  Frau mit einem wunderbaren Lächeln. Ich kam nach Stade und blieb in der Schreibstube der Ausbildungskompanie. Das waren zwei schöne Jahre, ich lernte ein paar nette Leute kennen, mit denen ich leider keinen Kontakt hielt. Weil ich aus der gesetzlichen 18-monatigen Wehrdienstzeit zwei Jahre gemacht hatte, der Wehrsold war mir zu gering, kündigte mir Plath und Sack und ich fing Anfang Januar 1967 bei Curacao Trading am Ballindamm an. Die Firma zog alsbald in die Spaldingstraße. Dann erhielt ich ein Telegramm von Plath und Sack, man wollte wissen, ob ich doch wieder dort arbeiten wolle. Ich kündigte bei Curacao Trading und arbeitete bis Juni 1969 bei Plath und Sack. Inzwischen hatte ich am 22. September 1967 aus Charlotte Grams Charlotte Hertwig gemacht. Ich war zum Jahresende bei Oma Agnes ausgezogen und wir bezogen eine Wohnung in Blumen Schütts Neubau am Sethweg 43. Loo brachte am 12.4.1968 im Albertinenkrankenhaus Regina zur Welt. Charlotte, ich nannte sie Loo, arbeitete noch bei C.B.Franz Jessen und verdiente deutlich mehr als ich, was daran lag, dass sie über zehn Jahre älter als ich war. Nun kündigte sich unser zweites Kind an. Roland kam am 10. Juni 1970 ebenfalls in Albertinen zur Welt. Ich hatte mit Albert Sack um ein höheres Gehalt verhandelt. Als er nicht so wollte wie ich, studierte ich Stellenanzeigen im Hamburger Abendblatt. Loo fand dann eine Anzeige der Teldec, die einen Assistenten in der Exportabteilung suchten. Ich ging hin und bekam die Stelle und das Gehalt, das ich haben musste.

Bei der Teldec war ich von Juli 1969 bis Dezember 1986. Ich lernte die Firma von Grund auf kennen, sah, wie man es richtig machen kann und wie manche Leute viel falsch machen. Ende Februar 1973 kam unser drittes Kind, Stephan, zur Welt. Die Teldec wurde allmählich gegen die Wand gefahren und ich verlor Ende 1986 meinen Arbeitsplatz. Nach einer Weile des Wundenleckens kam mir die Idee einer selbstständigen Tätigkeit, sehr zum Schrecken meiner lieben Frau. Ich hatte gemerkt, dass es ziemlich viele gutbetuchte ältere Bürger gibt, die sich für die Musik ihrer Jugend interessieren und dafür sogar Geld ausgeben würden. Ich fand einen Schellackplattensammler in Wuppertal, der bereit war, für Geld seine Platten auf Tonband zu überspielen. Eberhard Ganschow und später Karl-Heinrich Jordan aus Bad Harzburg schufen den Grundstock für mein Repertoire. Herr Jordan verlangte übrigens kein Geld dafür. Meine Produktidee war, zwei MusiKassetten in einer taschenbuchartigen Schachtel mit Swing-, Tango- und Foxtrott-Musik anzubieten: Die BobSette. 32 Aufnahmen für 24,90 DM. Es dauerte eine Weile, bis sich das herumgesprochen hatte. Ich hatte ziemlich viel in Seniorenblättern inseriert, und allmählich entwickelte sich die Sache. Erste Bestellungen kamen auch aus der DDR. 1994 überredete mich Rolf Bähnk, es doch mit einer CD zu versuchen. Mir war es nicht so recht, weil meine Reproduktionen ganz nah am Original waren: hörbar Schellack eben, mit Knackern und Hackern.  Dennoch: die CD lief gut und so blieb es fortan bei Bob CDs. 2006 gelang es mir, die Traditionsmarke ULTRAPHON im Markenamt für Bob's Music einzutragen. Warner hatte eine Verlängerung versäumt.

Im August 1986 hatte ich eine Bläsergruppe gegründet, mit der ich im Stil von Johannes Kuhlo Musik für die Leut' machen wollte. Volkstümliches, Geistliches, aber auch flotte Sachen aller Art, die Laienbläser einigermaßen passabel auf der Straße darbieten können. Die Gruppe erhielt von Pastor Wolfgang Voigt den Namen Posaunix. Die Arrangements schrieb ich selbst, weil ich ganz gut weiß, wie hoch oder wie tief ein Laie spielen kann und sich das dann auch noch ansprechend anhört. Näheres können Sie in meinem Internettagebuch nachlesen, falls Sie das interessiert. Klick

Inzwischen sind die Kinder ausgezogen, unsere Tochter 2008 an Krebs gestorben. Ihre Tochter, unser einziges Enkelkind lebt in Eppelheim bei Heidelberg. Der ältere Junge lebt und arbeitet in Berlin und der jüngere in München. Man sieht sich an runden Geburtstagen, schickt E-Mails und wünscht sich alles Gute. Ich weiß, Familie geht eigentlich anders, aber was will man machen, wenn man so weit auseinander lebt? Mir geht es gesundheitlich ganz gut, was ich von Loo leider nicht sagen kann. Robert Hertwig 7.3.2020